Weiß werden


In THE DAY AFTER TOMORROW scheint sich dieses Wechselverhältnis als andauernder Umschlag auszubreiten. Der Kondensationspunkt wäre dann der blaue Bildschirm, der hier weniger als ein allgemeines Kälte-Motiv sondern vielmehr als die mediale Bedingung der Schnee-Landschaft erscheint. Einerseits verweist er nämlich auf die Blue-Screen-Technik, auf ein Verfahren also, das es ermöglicht, Gegenstände oder Personen nachträglich vor einen Hintergrund zu setzen, der entweder eine reale Filmaufnahme oder eine Computergrafik (z.B. eine Landschaft) enthalten kann 18. Andererseits deutet der blaue Bildschirm jedoch auch auf das Gegenteil des Erschaffens, nämlich den Zusammenbruch von Erscheinungsmöglichkeiten: Im Computerjargon steht der »Blue Screen« oder auch »Blue Screen of Death« für eine bestimmten Kategorie von Fehlermeldungen 19. Im blauen Bildschirm sammeln sich generische wie destruktive Kräfte, hier kann etwas zum Vorschein und zum Verschwinden gebracht werden. Dieses Verhältnis reicht ins Studio zurück, aus dem es hervor gegangen ist.

SPIELEN IM SCHNEE: INCEPTION

In einer Schneelandschaft gleiten fünf Figuren mit Skiern eine weiße Ebene entlang. Sie tragen weiße Skianzüge und weißumrandete Skibrillen, weiße Mützen unter weißen Kapuzen. Fast konturlos wirken ihre Körper, fast übergangslos scheinen sie sich in das Setting einzumodellieren. Mitten im freien Schneefeld kommt es zum Halt. Fragen der Navigation müssen geklärt, Richtungsanweisungen gegeben werden. »If I know the route, everything could be compromised«, sagt Cobb, Protagonist des Films INCEPTION (2010). Es gibt eine Figur, die die Route besser kennt als alle anderen. Ihr Name ist Ariadne. Sie steht Cobb gegenüber, blickt ihn an und erklärt: »I designed the place.«

Anmerkungen
  1. Hierzu wird der Gegenstand oder die Person vor einem blauen Hintergrund aufgenommen. Um jenes Objekt dann freizustellen, wird eine Aussparungsmaske benutzt, die den sichtbaren und unsichtbaren Bildbereich definiert. Schließlich werden der Hintergrundfilm und der freigestellte Vordergrundfilm kombiniert, um damit neue Bildlandschaften zu erzeugen. Zur Blue Screen-Technik als Innovationspraxis des digitalen Kinos vgl. Manovich, Lev: »What is Digital Cinema?«, in: Nicholas Mirzoeff (Hg.), The Visual Culture Reader, London: Routledge 2002, S. 405-416. []
  2. Der »Blue Screen of Death« ist eine Bezeichnung für Programm- oder Systemfehler. Dabei wird die Bedienoberfläche des Betriebssystems vollständig durch einen blauen Bildschirm ersetzt, auf dem in weißer Schrift Fehlerinformationen erscheinen. Zum technischen Verständnis des »Blue Screen of Death« vgl. Bauer, Eric: Design for Reliability. Information and Computer Based Systems, Hoboken, New Jersey: Wiley 2010, S. 22-23. In THE DAY AFTER TOMORROW werden wiederholt Situationen gezeigt, in denen die Forscher in blaue Bildschirme starren, ohne dass auf ihren etwas zu sehen wäre. []

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